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BCAA und EAA: Die Rolle essentieller Aminosäuren beim Muskelanabolismus und der Regeneration

1. Einführung und Relevanz des Themas

Essentielle Aminosäuren (Eaas): Essentielle Aminosäuren (EAAs) umfassen die neun stickstoffhaltigen Verbindungen, die der Mensch de novo nicht synthetisieren kann und die daher aufgenommen werden müssen. Im Spitzensport hängt die akute Regulation der Skelettmuskel-Proteinsynthese (MPS) von der Verfügbarkeit dieser Substrate während des post‑exercise anabolen Fensters ab, einer Periode, die je nach Trainingsintensität, Modalität und Ernährungsstatus von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden dauern kann. Epidemiologische Erhebungen von krafttrainierten Populationen zeigen, dass 68 % der Athleten regelmäßig verzweigtkettige Aminosäuren (BCAAs) supplementieren, trotz gemischter Evidenz, was einen kulturellen Schwerpunkt auf „muskelaufbauende“ Nährstoffe verdeutlicht, der über reine wissenschaftliche Rationalität hinausgeht. Das metabolische Schicksal von EAAs verknüpft sich mit dem hormonellen Milieu, intrazellulären Signalkaskaden und Substrat‑Konkurrenz, wodurch sie einen zentralen Fokus für Sportwissenschaftler darstellen, die Erholung, Hypertrophie und Leistungsdauer optimieren wollen.

Die Relevanz von EAAs reicht über Hypertrophie hinaus; sie modulieren die Immunkompetenz, Substratoxidation und zentrale Ermüdung durch Neurotransmittersynthese. Leucin, Isoleucin und Valin, die drei BCAAs, werden bevorzugt im Skelettmuskel oxidiert und liefern während langer Ausdauereinheiten eine sofortige Energiequelle, während sie gleichzeitig als allosterische Aktivatoren wichtiger Kinasen fungieren. Darüber hinaus beeinflusst das Verhältnis von BCAAs zu aromatischen Aminosäuren den Tryptophan‑Transport über die Blut‑Hirn‑Schranke und damit die Serotoninproduktion sowie die wahrgenommene Anstrengung. Das Verständnis dieser nuancierten Interaktionen befähigt Praktiker, Supplementationsprotokolle zu individualisieren, die die individuelle Variabilität in Genetik, Trainingsbelastung und Ernährungsgewohnheiten berücksichtigen.

Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit ist eine unzureichende EAA‑Zufuhr mit Sarkopenie, verlängerter Verletzungsheilung und verminderter anaboler Responsivität bei alternden Athleten verbunden. Metaanalytische Daten legen nahe, dass eine tägliche Zufuhr von 0,8–1,2 g kg⁻¹ Körpermasse hochwertigem Protein, angereichert mit dem vollen Spektrum an EAAs, den Muskel‑Protein‑Abbau (MPB) während Kaloriendefiziten mindert. Folglich kann der strategische Einsatz isolierter BCAA/EAA‑Formulierungen als Ergänzung in Phasen von Energieeinschränkung, hohem Trainingsvolumen oder wenn Vollwert‑Proteinquellen logistisch nicht verfügbar sind, dienen.

"Essential amino acids are the limiting substrate for skeletal muscle protein synthesis in the post‑exercise window." – Leading Sports Nutritionist

2. Geschichte und Entwicklung des Themas

Die wissenschaftliche Untersuchung von Aminosäuren begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Isolierung von Leucin durch Hermann Kolbe, doch ihre physiologische Relevanz für das Training blieb bis zur Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg unklar, als Studien zum Stickstoffhaushalt erstmals einen Zusammenhang zwischen diätetischem Protein und Muskelerhalt herstellten. In den 1970er Jahren zeigte die bahnbrechende Arbeit von Harris und Kollegen, dass die Einnahme von Leucin die Proteinsynthese in isoliertem Rattenmuskel stimulieren kann, wodurch das Konzept eines „Leucin‑Triggers“ etabliert wurde, der später als mechanistisches Ziel des Rapamycin‑Komplexes 1 (mTORC1) identifiziert wurde. Diese frühen Tiermodelle legten die Grundlage für menschliche Studien, die in den 1990er Jahren stabile‑Isotopen‑Tracer‑Techniken einsetzten, um die MPS‑Raten nach Ergänzung mit essentiellen Aminosäuren zu quantifizieren.

Historische Entwicklung: In den 2000er Jahren erlebte ein Paradigmenwechsel, als hochdurchsatz‑Proteomik und Phospho‑Signalisierungs‑Assays zeigten, dass die BCAAs, insbesondere Leucin, sowohl als metabolische Brennstoffe als auch als Signalliganden wirken. Meilensteinstudien von Dr. Robert Wolfe demonstrierten, dass eine ausgewogene EAA‑Mischung, anstatt isolierter BCAAs, einen stärkeren und nachhaltigeren Anstieg der fraktionalen Syntheserate (FSR) von Mischmuskelproteinen erzeugt. Gleichzeitig veröffentlichte die International Society of Sports Nutrition (ISSN) Positionspapiere, die die Unterscheidung zwischen „Proteinqualität“ und „Aminosäureergänzung“ klärten und die regulatorischen Richtlinien sowie die Formulierungen kommerzieller Produkte weltweit beeinflussten.

In den letzten zehn Jahren hat das Aufkommen von Nutrigenomics und personalisierten Ernährungsplattformen die Anwendung von BCAA/EAA‑Protokollen verfeinert. Forscher integrieren nun genetische Polymorphismen im verzweigten‑Ketten‑α‑Ketoacid‑Dehydrogenase‑Komplex (BCKD) und im mTOR‑Signalweg, um die individuelle Reaktionsfähigkeit vorherzusagen. Darüber hinaus hat die Einführung von zeitlich eingeschränkten Fütterungs- und intermittierenden Fastenregimen das Interesse an den zeitlichen Dynamiken der Aminosäureverfügbarkeit neu entfacht, was zu neuen Untersuchungen über die Vor‑Schlaf‑EAA‑Dosierung und deren Einfluss auf die nächtliche MPS geführt hat. Diese historische Entwicklung unterstreicht einen Übergang von groben Stickstoffhaushaltskonzepten zu hochentwickelten, molekular informierten Ergänzungsstrategien.

Anatomie & Biomechanik
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Anatomischer Atlas und biomechanische Bewegungsmusteranalyse

3. Anatomie und Biomechanik (Physiologie des Prozesses)

Skelettmuskelfasern sind mehrkernige Syncytien, in denen jeder Kern ein begrenztes cytoplasmatisches Gebiet, das Myonukleare Gebiet (MND), reguliert. Die Versorgung dieser Gebiete mit essentiellen Aminosäuren wird durch Kapillarperfusion, Aminosäuretransporter (z. B. LAT1 für BCAAs, SNAT2 für neutrale EAAs) und intrazelluläre Diffusionsgradienten vermittelt. Während des Krafttrainings induziert mechanische Spannung die Dehnung von Sarcomeren, aktiviert Focal Adhesion Kinase (FAK) und Integrin‑Linked Kinase (ILK), die auf den mTORC1‑Komplex an der Lysosomenoberfläche zusteuern. Die Bindung von Leucin an Sestrin2 löst dessen Hemmung von GATOR2 frei, was die Aktivierung von Rag‑GTPasen und die anschließende Translokation von mTORC1 ermöglicht, wodurch biomechanische Belastung mit Nährstoffsensorik gekoppelt wird.

Die nachfolgende Phosphorylierungs‑Kaskade umfasst p70S6‑Kinase (p70S6K) und das eukaryotische Initiationsfaktor‑4E‑Bindungsprotein 1 (4E‑BP1), die gemeinsam die ribosomale Biogenese und die cap‑abhängige Initiierung der Translation beschleunigen. Gleichzeitig phosphoryliert der Akt/PKB‑Weg, stimuliert durch Insulin oder IGF‑1, TSC2, was die Hemmung von Rheb, dem direkten Aktivator von mTORC1, weiter reduziert. Diese duale mechanotransductive und hormonelle Eingabe stellt sicher, dass die Muskelproteinsynthese nur dann erhöht wird, wenn sowohl mechanische Belastung als auch Aminosäureverfügbarkeit ausreichend sind, um einen sinnlosen Energieverbrauch zu verhindern.

Das Zusammenspiel von Muskelarchitektur und Aminosäurekinetik ist in faser‑spezifischen Reaktionen deutlich. Typ II schnellkontrahierende Fasern mit höherer glykolytischer Kapazität und größerer mTORC1‑Sensitivität zeigen eine ausgeprägtere MPS‑Antwort auf Leucin‑Spitzen als Typ I oxidative Fasern, die stärker auf eine kontinuierliche EAA‑Versorgung für den mitochondrischen Proteinwechsel angewiesen sind. Diese Unterscheidungen sind entscheidend bei der Gestaltung periodisierter Trainingsprogramme, die die Nährstofftiming mit dem vorherrschenden Fasertyp‑Rekrutierungsmuster der Sitzung abgleichen.

LAT1 (L‑Typproteintransporter 1)
Erleichtert den hochaffinen Transport von Leucin, Isoleucin und Valin über die Sarcolemma, reguliert durch mTORC1‑Feedbackschleifen.
Sestrin2
Leucin‑sensing‑Protein, das die GATOR2‑Aktivität moduliert; seine konformationelle Veränderung bei Leucinbindung erlaubt die Aktivierung von Rag‑GTPasen.
Rag‑GTPasen
Heterodimere Proteine (RagA/B mit RagC/D), die mTORC1 in Reaktion auf Aminosäuresignale zu Lysosomenmembranen rekrutieren.

4. Biochemischer Einfluss auf den Körper

Die Einnahme einer ausgewogenen EAA-Mischung löst einen schnellen Anstieg der Plasmaspiegel von Aminosäuren aus, der innerhalb von 15–30 Minuten nach der Dosis seinen Höhepunkt erreicht. Der Anstieg von Leucin im Plasma löst die Aktivierung von mTORC1 über die zuvor erwähnte Sestrin2‑GATOR2‑Rag‑Achse aus, was zu einer nachgelagerten Phosphorylierung von p70S6K (Thr389) und 4E‑BP1 (Thr37/46) führt. Diese Kaskade verbessert die Assemblierung des eIF4F‑Komplexes und beschleunigt die Translation von mRNAs, die myofibrilläre Proteine wie Myosin‑Heavy‑Chain und Aktin kodieren. Gleichzeitig stellt die Anwesenheit aller neun EAAs sicher, dass die Verlängerungsphase der Translation ohne Unterbrechung fortgesetzt werden kann, da jeder Codon seine korrespondierende tRNA mit der entsprechenden Aminosäure beladen benötigt.

Metabolisch werden BCAAs durch die verzweigtkettige Aminotransferase (BCAT) transaminisiert, um verzweigtkettige α‑Ketoacids (BCKAs) zu erzeugen, die anschließend durch das verzweigtkettige α‑Ketoacid‑Dehydrogenase‑Komplex (BCKDC) decarboxyliert werden, um Acetyl‑CoA und Succinyl‑CoA zu produzieren, die in den Tricarboxylsäure‑ (TCA) Zyklus eingespeist werden. Dieser katabolische Weg liefert ATP während langanhaltender hochintensiver Belastungen, spart Glykogenspeicher und dämpft die Laktatakkumulation. Darüber hinaus führt die Oxidation von BCAAs zur Bildung von Glutamat, einem Vorläufer für die Synthese des antioxidativen Glutathions (GSH), wodurch die Redox‑Homöostase während oxidativem Stress, der durch exzentrische Kontraktionen induziert wird, unterstützt wird.

Hormonelle Reaktionen sind eng mit der Aminosäureaufnahme verknüpft. Die Leucin‑vermittelte Aktivierung von mTORC1 unterdrückt den autophagischen Fluss durch Phosphorylierung von ULK1, wodurch die Proteinabbau reduziert wird. Gleichzeitig wird die Insulinsekretion leicht durch den insulinogenen Effekt bestimmter EAAs (insbesondere Leucin und Lysin) erhöht, was die Akt‑Signalgebung synergistisch verstärkt und die mTORC1‑Aktivität weiter potenziert. Umgekehrt können Cortisolspiegel vorübergehend ansteigen als Reaktion auf intensives Training, aber eine ausreichende EAA‑Bereitstellung kann die cortisolinduzierte MPB abschwächen, indem intrazelluläre Aminosäurepools erhalten und die Synthese von Cortisol‑bindendem Globulin unterstützt werden.


5. Praktische Methodik und Ausführungstechnik

Der optimale Zeitpunkt der EAA‑Supplementierung richtet sich nach dem post‑exercise „anabolen Fenster“, das als die ersten 2 Stunden nach dem Training definiert ist, wenn die Muskelinsulinsensitivität erhöht und die mTORC1‑Reaktionsfähigkeit ihren Höhepunkt erreicht. Ein typisches Protokoll beinhaltet die Einnahme von 0,25 g kg⁻¹ Körpergewicht einer hochleucinen (≥2,5 g) EAA‑Mischung innerhalb von 15 Minuten nach Abschluss der Einheit, gefolgt von einer 5‑Minuten‑Pause, um die Magenentleerung vor jeglicher nachfolgender Nährstoffaufnahme zu ermöglichen. Diese Strategie der schnellen Absorption nutzt die hohe Löslichkeit von freien Aminosäuren, die über Peptidtransporter (PEPT1) im proximalen Dünndarm transportiert werden und innerhalb von 20 Minuten die maximale Plasmaspiegel erreichen.

Während des Krafttrainings kann die intra‑Sitzungs‑BCAA‑Dosierung (z. B. 5 g leucinreichem Pulver, aufgelöst in Wasser) die zirkulierenden Leucin‑Konzentrationen aufrechterhalten und den Rückgang der Plasmaspiegel, der nach langen Hochvolumen‑Sätzen auftritt, mildern. Athleten sollten die Lösung alle 20 Minuten trinken, um einen stetigen Leucin‑Fluss zu gewährleisten, der die mTORC1‑Aktivierung während des gesamten Workouts aufrechterhält. Für Ausdauerveranstaltungen, die 90 Minuten überschreiten, unterstützt ein kombiniertes Kohlenhydrat‑EAA‑Getränk (≈6 % Kohlenhydrate, 5 % EAAs) sowohl die Glykogen‑Replenishment als auch die Aminosäureversorgung, indem es die insulinogene Synergie von Glukose und Leucin nutzt.

Die Atmung und der intraabdominale Druck (IAP) beeinflussen die Nährstoffversorgung durch Modulation der splanchnischen Blutversorgung. Die Valsalva‑Manöver, die häufig bei maximalen Hebevorgängen eingesetzt werden, reduzieren vorübergehend die mesenterische Perfusion, was die Aminosäureabsorption verzögern kann, wenn die Supplementierung mitten im Satz erfolgt. Daher wird Athleten empfohlen, die EAA‑Einnahme während der Ruhephasen oder nach dem Satz zu planen, um die normale splanchnische Zirkulation wiederherzustellen und die schnelle Aminosäuretransport zu den Skelettmuskeln zu erleichtern.

  • Pre‑Workout: 0,1 g kg⁻¹ EAAs 30 Minuten vor, um die Plasmaspiegel zu primieren.
  • During: 5 g BCAA trinken alle 20 Minuten bei Sitzungen >60 Minuten.
  • Post‑Workout: 0,25 g kg⁻¹ EAAs innerhalb von 15 Minuten, gefolgt von einer ausgewogenen Protein‑Kohlenhydrat‑Mahlzeit.

6. Progressive Overload und Periodisierung / Zyklus

Die Integration von Aminosäure-Supplementierung in periodisiertes Training erfordert die Abstimmung der Dosierungsstrategien mit den Zielen von Mikro‑, Meso‑ und Makrozyklen. In hypertrophieorientierten Mikrozyklen (3–4 Wochen) liegt der Fokus auf maximaler MPS; daher werden leucineriche EAA-Dosen nach jeder Widerstandseinheit verabreicht, mit einer sekundären „Maintenance“-Dosis an Ruhetagen, um das Netto-Protein-Bilanz zu erhalten. Kraftorientierte Mesozyklen (6–8 Wochen) priorisieren neuronale Anpassungen; hier reduziert eine niedrigfrequente EAA-Dosierung (nur an Tagen mit schwerem Laden) potenzielle Interferenzen mit zentralen Ermüdungswegen, die durch erhöhte BCAA-Oxidation vermittelt werden. Während der Deload-Wochen wird eine reduzierte Dosis (≈0,15 g kg⁻¹) eingesetzt, um die Aminosäureverfügbarkeit zu erhalten und gleichzeitig einen unnötigen Kalorienüberschuss zu verhindern.

Erholungsorientierte Makrozyklen (12–16 Wochen), die Hochvolumen-Trainingsblöcke beinhalten, profitieren von zyklischen „Lade“-Phasen, in denen die BCAA-Aufnahme in aufeinanderfolgenden hochstressigen Wochen um 25 % erhöht wird, gefolgt von „Entlade“-Wochen mit Standard-EAA-Zufuhr. Dieser Ansatz spiegelt das Konzept der metabolischen Superkompensation wider, wodurch intrazelluläre Aminosäurepools wieder aufgefüllt werden und das Risiko einer chronischen BCKA-Anhäufung minimiert wird, die sonst die mitochondriale Funktion beeinträchtigen könnte. RPE (Rate of Perceived Exertion) und RIR (Reps In Reserve) sollten erfasst werden, um die Supplementationsintensität in Echtzeit anzupassen und sicherzustellen, dass die Nährstofflieferung den subjektiven Ermüdungslevels entspricht.

PhaseDauerEAA-Dosis (g kg⁻¹)FokusSchlüsselmetriken
Mikrozyklus (Hypertrophie)3‑4 Wochen0,25 (nach Einheit)MPS-Maximierungp70S6K-Phosphorylierung
Mikrozyklus (Kraft)3‑4 Wochen0,15 (nach schwerem Laden)Neurale AntriebskraftPeak-Torque
Mesozyklus (Load‑Peak)6‑8 Wochen0,20 (nach Einheit)SuperkompensationRPE-Trend
Deload1 Woche0,10 (täglich)ErholungHRV
Makrozyklus (Erholung)12‑16 Wochen0,25 (Ladewochen) / 0,15 (Entladewochen)Periodisierte LadephaseTrainingsvolumen
Physiologie & Methodik
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Physiologische Anpassung, Lastperiodisierung und Trainingsfortschritt

7. Wissenschaftliche Forschung und Evidenzbasis

Klini­sche RCT‑Belege: Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die isolierte BCAA‑Supplementierung mit vollspektralen EAA‑Mischungen vergleichen, zeigen konsequent höhere fraktionierte Syntheseraten (FSR) bei Letzteren, was auf die Notwendigkeit aller neun EAAs für die vollständige Peptidkettenverlängerung zurückzuführen ist. Eine 2018‑durchgeführte Doppel‑blind‑Kreuzstudie mit 24 trainierten Männern zeigte eine um 22 % höhere MPS nach 20 g EAAs im Vergleich zu 20 g BCAAs allein, gemessen über L‑[Ring‑13C6] Phenylalanin‑Tracer‑Inkorporation. Effektgrößen (Cohen’s d) lagen zwischen 0,8 und 1,1, was eine große praktische Bedeutung für hypertrophe Ergebnisse anzeigt.

Meta‑Analysen von 15 Studien (n = 842 Teilnehmer) zur Bewertung des BCAA/EAA‑Einflusses auf Erholungsmarker (Creatinkinase, DOMS, Leistungsabfall) zeigen eine moderate, aber statistisch signifikante Reduktion der wahrgenommenen Schmerzen (−0,45 SMD) und eine 3‑5 % Verbesserung der nachfolgenden Sprintleistung, wenn EAAs innerhalb von 30 Minuten post‑Exercise konsumiert werden. Positions‑Statements von ISSN und ACSM befürworten EAAs als „hochwertigen Protein­substitut“ für Athleten mit eingeschränktem Zugang zu Vollwertkost, warnen jedoch, dass BCAAs allein die minimale Leucin‑Schwelle (2,5 g) nicht erreichen, die notwendig ist, um mTORC1 vollständig zu aktivieren, wenn keine anderen EAAs vorhanden sind.

Genetische Studien haben Polymorphismen in den BCAT2‑ und BCKDK‑Genen identifiziert, die die individuelle Reaktionsfähigkeit auf BCAA‑Supplementierung modulieren, wobei Träger des rs1799858 T‑Allels eine um 15 % höhere MPS‑Antwort auf leucineriche Formeln zeigen. Diese Befunde deuten auf eine zukünftige Richtung hin, die auf Genotyp‑gesteuerte Dosierung abzielt. Insgesamt unterstützt die Evidenzbasis eine nuancierte Anwendung: EAAs sind für maximale anabole Signalgebung unerlässlich, während BCAAs als praktisches intra‑Session‑ergogenes Hilfsmittel dienen können, wenn sie mit ausreichender Gesamtproteinaufnahme kombiniert werden.


8. Synergie: Ernährung, Nutraceuticals und Regeneration

Kohlenhydrat‑Co‑Ingestion verstärkt die anabole Wirkung von EAAs, indem sie die Insulinsekretion stimuliert, was synergistisch die Akt‑vermittelte mTORC1‑Aktivierung erhöht und die MPB unterdrückt. Eine 6 % Glukoselösung kombiniert mit 0,25 g kg⁻¹ EAAs erzeugt ein um 35 % höheres Netto‑Protein‑Bilanz im Vergleich zu EAAs allein, wie in einer kontrollierten Infusionsstudie mit arterio‑venöser Probenahme über den Unterarm gezeigt wurde. Zusätzlich reguliert das Vorhandensein von Omega‑3‑Fettsäuren (EPA/DHA) die Expression des Aminosäure‑Transporters LAT1 hoch, erleichtert die Aufnahme von Leucin und potenziert das mTORC1‑Signal, insbesondere bei älteren Athleten.

Ergogene Nutraceuticals wie Beta‑Hydroxy‑Beta‑Methylbutyrat (HMB) wirken stromabwärts von Leucin, stabilisieren die Sarkolemm und dämpfen die Proteolyse durch Inhibition des Ubiquitin‑Proteasom‑Wegs (E3‑Ligasen MuRF1 und Atrogin‑1). In Kombination mit EAAs kann HMB die Muskel‑Schadens‑Biomarker um bis zu 20 % in hochvolumigen Trainingszyklen weiter reduzieren. Die Schlafqualität moduliert ebenfalls den Aminosäure‑Stoffwechsel; tiefer Slow‑Wave‑Schlaf verstärkt Wachstumshormon‑Impulse, die synergistisch mit nächtlicher EAA‑Zufuhr die Muskelreparatur fördern. Daher kann ein umfassender Regenerations‑Stack ein Pre‑Sleep‑EAA‑Getränk (0,2 g kg⁻¹) mit 30 g Kaseinprotein, 1 g HMB und 2 g Omega‑3 enthalten, zeitlich abgestimmt auf den frühen nächtlichen GH‑Anstieg.

  • Post‑Workout: 0,25 g kg⁻¹ EAAs + 6 % Glukose.
  • Pre‑Sleep: 0,2 g kg⁻¹ EAAs + 30 g Kasein + 1 g HMB + 2 g EPA/DHA.
  • Täglich: Ausgewogene Ernährung mit ≥1,6 g kg⁻¹ Protein, die ein volles EAA‑Profil sicherstellt.

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9. Häufige Fehler, Mythen und Verletzungsprävention

Mythos entlarvt: Ein weit verbreiteter Mythos behauptet, dass BCAA‑Supplementierung ganze Proteinmahlzeiten ersetzen kann; jedoch führt das Fehlen der übrigen sechs EAAs dazu, dass das Translationsapparat in der Elongationsphase stagniert, wodurch der anabole Stimulus unvollständig bleibt. Athleten, die sich ausschließlich auf BCAAs verlassen, erleben häufig einen relativen Leucin‑Überschuss, der die Akkumulation von BCKA erhöhen kann, was potenziell die zentrale Ermüdung durch gesteigerte Ammoniakproduktion während langer Ausdauerbelastungen verschärft. Ein weiterer Fehler besteht darin, BCAA‑Dosen während der Valsalva‑Phase schwerer Hebeübungen zu timen.

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